Das Wichtigste in Kürze
- Die Blütephase dauert je nach Sorte 7–10 Wochen, gerechnet ab den ersten Blütenhärchen.
- Photoperiodische Sorten starten die Blüte bei 12 Stunden Dunkelheit, Autoflowers automatisch nach Alter.
- In Woche 2–3 verdoppelt sich die Höhe oft – den Lampenabstand rechtzeitig anpassen.
- Geerntet wird nach Trichomfarbe, nicht nach Kalender.
Cannabis Blütephase: der Ablauf im Überblick
Die Cannabis Blütephase ist der Abschnitt, in dem aus einer grünen Pflanze die eigentliche Ernte entsteht. Sie beginnt, sobald die ersten weißen Blütenhärchen erscheinen – bei photoperiodischen Sorten nach der Umstellung auf 12 Stunden Licht, bei Autoflowers von selbst nach etwa drei bis vier Wochen.
Diese Tabelle zeigt den typischen Verlauf einer zehnwöchigen Blüte. Je nach Sorte kann sich alles um ein bis zwei Wochen verschieben – als Orientierung funktioniert sie für fast jeden Indoor-Grow:
| Woche | Was passiert | Deine Aufgabe |
|---|---|---|
| 1–2 | Erste weiße Blütenhärchen an den Triebspitzen | Auf Blütendünger umstellen |
| 2–3 | Streckungswachstum, Höhe verdoppelt sich oft | Lampenabstand prüfen, ggf. Training |
| 4–5 | Blütenansätze bilden sich, Geruch beginnt | Luftfeuchte auf 45–50 % senken |
| 6–7 | Blüten schwellen an, Harzbildung startet | Klima stabil halten, nicht mehr beschneiden |
| 8–9 | Blüten werden dicht, Härchen färben sich | Trichome kontrollieren |
| 9–10 | Reife: Trichome milchig bis bernstein | Spülen und ernten |
Woche 1–3: Vorblüte und Streckung
In den ersten beiden Wochen passiert oberirdisch wenig Sichtbares: An den Triebspitzen und Blattachseln zeigen sich feine weiße Härchen – die Pistille. Sie sind das eindeutige Signal, dass die Blüte begonnen hat.
Dann folgt die Streckung: Die Pflanze schießt in die Höhe und kann sich je nach Sorte verdoppeln bis verdreifachen. Das ist der Moment, in dem viele Grower überrascht werden und plötzlich zu wenig Abstand zur Lampe haben. Prüfe den Abstand jetzt alle zwei bis drei Tage – die konkreten Werte nach Wattzahl findest du im Guide zur Grow-Beleuchtung.
Auch die Nährstoffe ändern sich: Der Stickstoffbedarf sinkt, Phosphor und Kalium werden wichtiger. Stelle schrittweise auf Blütendünger um und beginne mit halber Dosis.
Praxis-Tipp: Letzte Chance fürs Training. Ab Woche 3 solltest du nicht mehr größer eingreifen – jeder Stress in der Blüte kostet direkt Ertrag.
Woche 4–7: Blütenbildung und Harz
Jetzt wird es sichtbar: Aus einzelnen Härchen entstehen kompakte Blütenansätze, die von Woche zu Woche dichter werden. Der Geruch nimmt deutlich zu – spätestens hier lohnt sich ein Aktivkohlefilter.
Ab Woche sechs beginnt die Harzproduktion sichtbar zu laufen, die Blüten legen an Gewicht zu. Das ist die Phase mit dem höchsten Nährstoffbedarf – gleichzeitig steigt das Risiko für Mangelerscheinungen. Braune Blattränder oder gelbe Flächen zwischen den Adern solltest du jetzt ernst nehmen; was dahintersteckt, klärt der Guide zum Nährstoffmangel.
Woche 8–10: Reife und Ernte
In den letzten Wochen entscheidet sich, wie gut dein Grow wird. Die Blütenhärchen färben sich von weiß zu orange-braun und rollen sich ein, die Blüten wirken prall und schwer. Viele ernten jetzt zu früh – dabei legen die Blüten in den letzten zehn Tagen noch spürbar zu.
Verlass dich nicht auf die Härchen allein, sondern auf die Trichome: Sind sie überwiegend milchig-trüb mit einzelnen bernsteinfarbenen, ist der ausgewogene Zeitpunkt erreicht. Wie du das mit einer günstigen Lupe beurteilst, steht im Ernte-Guide.
Das richtige Klima in der Blüte
Während im Wachstum höhere Luftfeuchtigkeit erwünscht ist, dreht sich das in der Blüte um: Je dichter die Blüten, desto größer das Schimmelrisiko. Diese Werte haben sich bewährt:
| Phase | Temperatur | Luftfeuchte |
|---|---|---|
| Woche 1–3 | 22–26 °C | 55–60 % |
| Woche 4–7 | 22–26 °C | 45–50 % |
| Ab Woche 8 | 20–24 °C | 40–45 % |
Häufige Fehler in der Blütephase
Diese fünf Fehler kosten am häufigsten Ertrag und Qualität:
- Zu spät auf Blütendünger umgestellt – der Stickstoffüberschuss bremst die Blütenbildung.
- Streckung unterschätzt – die Pflanze wächst in die Lampe und verbrennt an den Spitzen.
- Zu viel entblättert – jedes grüne Blatt ist ein Energielieferant für die Blüten.
- Luftfeuchte zu hoch gelassen – dichte Blüten schimmeln von innen heraus.
- Zu früh geerntet – die letzten zehn Tage bringen noch deutlich Gewicht und Wirkung.
Autoflower oder photoperiodisch: Unterschiede in der Blüte
Der Ablauf ist derselbe, der Startpunkt unterscheidet sich: Den kompletten Ablauf speziell für automatisch blühende Sorten findest du im Guide zur Autoflower Blütephase.
Autoflower
Blüht automatisch nach etwa 3–4 Wochen. Kein Lichtwechsel nötig, dafür keine Kontrolle über den Zeitpunkt.
Photoperiodisch
Blüht erst bei 12 Stunden Dunkelheit. Du bestimmst den Start – und damit auch die Größe der Pflanze.
Dauer
Beide brauchen ab Blühbeginn 7–10 Wochen. Autos sind insgesamt schneller, weil die Wachstumsphase kürzer ist.
Details zum schnellen Einstieg findest du im Autoflower-Guide, den kompletten Zeitplan aller Phasen im Guide zur Grow-Dauer. Nach der Ernte entscheidet das Curing über Aroma und Milde, und was rechtlich erlaubt ist, klärt der Legal-Guide. Einen Überblick über alle Themen bietet der Anbau-Ratgeber, offizielle Informationen findest du beim Infoportal des Bundes.
Wer die Cannabis Blütephase aufmerksam begleitet, erkennt früh, was die Pflanze braucht – und erntet am Ende spürbar mehr. Das Wichtigste bleibt dabei die Geduld: Die letzten beiden Wochen machen oft den größten Unterschied.
Fragen & Antworten
Wie lange dauert die Blütephase?
Je nach Sorte 7 bis 10 Wochen ab den ersten Blütenhärchen. Indica-lastige Sorten sind meist schneller fertig, Sativa-lastige brauchen länger.
Wann beginnt die Blütephase?
Bei photoperiodischen Sorten, sobald du auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umstellst. Autoflowers starten automatisch nach etwa drei bis vier Wochen.
Darf ich in der Blüte Blätter entfernen?
Nur einzelne, die Blüten komplett beschatten oder bereits vergilbt sind. Großzügiges Entblättern kostet Energie und damit Ertrag.
Warum strecken sich meine Pflanzen so stark?
Das Streckungswachstum in Woche 2 bis 3 ist normal – viele Sorten verdoppeln ihre Höhe. Zu wenig Licht verstärkt den Effekt zusätzlich.
Woran erkenne ich, dass die Blüte fertig ist?
An den Trichomen: überwiegend milchig-trüb mit einzelnen bernsteinfarbenen. Braune Blütenhärchen allein sind kein verlässliches Signal.
Nick Jahns
Gründer & Redaktionsleitung · Gelernter Gärtner
Nick betreut die dokumentierten Testgrows und schreibt alle Anbau-Guides aus eigener Praxis. Fehler melden.